ORGANSPENDE RETTET LEBEN

Situation zur Lebendnierenspende in Deutschland

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Dialyse
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Situation zur Lebendnierenspende in Deutschland

Vorteil durch sorgfältige Planung

Die erste erfolgreiche Nierentransplantation weltweit war eine Lebendspende. Sie wurde 1954 in Boston durchgeführt. Der Empfänger litt an einem endgültigen Nierenversagen. In dieser aussichtslosen Situation spendete ihm sein eineiiger Zwillingsbruder eine Niere. Die Eineiigkeit zwischen Spender und Empfänger und damit das Fehlen einer immunologischen Barriere war damals die Grundlage für den erfolgreichen Eingriff. Eine medikamentöse Beherrschung von Abstoßungsreaktionen war noch nicht möglich.

Ende 1960 war die Entwicklung der künstlichen Niere so weit fortgeschritten, dass sie den Patienten mit fehlender Nierenfunktion ein längerfristiges Überlegen ermöglichte. Auch war die Transplantation vom Nieren Verstorbener nun möglich geworden, nachdem wirksame immunsuppressive Medikamente zur Abstoßungsbehandlung zur Verfügung standen.

Auf diese beiden Therapieverfahren konzentrierten sich die Ärzte in den 70er Jahren, die Lebendnierentransplantation blieb die Ausnahme. Es wurden Zweifel an der Ungefährlichkeit des Eingriffes für den Spender angemeldet und auf die Verpflichtung des Arztes verwiesen, Gesunden keinen Schaden zuzufügen.

1987 Transplantationskodex

Diese Bedenken fanden auch Ausdruck in einer Erklärung der deutschen Transplantationszentren, die 1987 in einem Transplantationskodex formulierten, dass eine Organtransplantation zwischen lebenden blutsverwandten Personen von vielen Transplantationszentren zwar für berechtigt gehalten wird, dass aber eine Organtransplantation zwischen lebenden nicht blutsverwandten Personen, wie beispielsweise Eheleuten, grundsätzlich nicht durchgeführt wird. Die Spender der wenigen Lebendnierentransplantationen waren damals vorwiegend Eltern, die ihren Kindern Nieren spendeten. Ein Umdenken trat in den 90er Jahren ein. Aufgrund des Mangels an Nierentransplaten Verstorbender wuchs die Wartezeit der Patienten bis zur Transplantation unaufhörlich. Außerdem hatten umfangreiche Untersuchungen, in denen einnierige Personen über Jahrzehnte hinweg beobachtet wurden, ergeben, dass die gesundheitlichen Risiken für den Nierenspender außerordentlich gering sind.

Áusschlaggebend waren auch die als sensationell empfundenen Studiendaten des berühmten amerikanischen Immunologen Paul J. Terasaki. Er zeigte, dass die Ergebnisse einer lebendspende zwischen nicht Blutsverwandten mit fehlender Übereinstimmung der Gewebemerkmale mindestens ebenso gut waren wie die der Transplantation von Organen Verstorbener mit guter Übereinstimmung der Gewerbemerkmale. Diese Aussage wurde in mehreren Publikationen von anderen Arbeitsgruppen bestätigt.

Gesetz regelt die Transplantation seit 1997

Die Verabschiedung des Transplantationsgesetztes 1997 bedeutete für die Lebendnierenspende in Deutschland einen weiteren Anschub. Nun waren die Voraussetzungen, unter denen eine Transplantation durchgeführt werden darf, eindeutig definiert, womit dem Arzt bei seiner Tätigkeit Rechtssicherheit vermittelt wurde. Das TPG gibt vor, in welchem Verhältnis Spender und Empfänger zueinander stehen müssen. Die Lebendspende ist erlaubt zwischen Verwandten ersten und zweiten Grades, zwischen Ehegatten und Verlobten - und Personen, die sich in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahestehen. Die Auslegung des letzeren Passus stößt auch unter Juristen auf Schwierigkeiten, was zum Beispiel für Konfliktstoff bei der Planung von sogenannten Über-Kreuz-Transplantationen sorgte.

Der ´Schutz des Spenders ist dem TPG ein besonderes Anliegen, das Risiko gesundheitlicher Schäden durch die Nierenspende ist auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Dieser Forderung wird nachgekommen, indem mit einem umfangreichen medizinischen Untersuchungsprogramm, dessen Ergebnisse von erfahrenen Ärzten ausgewertet werden, die Eignung zur Spende geklärt wird. Wer zur Spende zugelassen wird, kann davon ausgehen, dass die spätere Einnierigkeit seinen Gesundheitszustand nicht beeinträchtigen wird.

Das Transplantationsgesetz erfordert auch eine psychologische Untersuchung des Spenders. Sie soll klären helfen, ob der Spender in der Lage ist, die Tragweite seiner Entscheidung zu überblicken und sie soll die vom TPG geforderte Freiwilligkeit des Entschlusses sichern.

Sehr geringes Risiko

In den verschiedenen Transplantationszentren werden teilweise unterschiedliche Methoden angewandt, das Spenderorgan zu gewinnen. allen gemeinsam ist, dass sie außerordentlich sicher sind. Amerikanischen Statistiken zufolge sind in der Vergangenheit bei 10.000 Lebendnierenspenden drei bis sechs Spender an den Folgen schwerer Komplikationen verstorben. Dieses Risiko bewegt sich in einem rahmen, der vergleichbar ist mit dem Erleidens eines tödlichen Verkehrsunfalls während der Teilnahme am Straßenverkehr über einen Zeitraum von zehn Jahren. Nach der Operation ist die verbliebene Niere in der Lage, einen Teil der Funktion der entnommenen zu ersetzen. Das bedeutet, dass die Nierenfunktionen insgesamt weiter im Normbereich liegen. Der Spender braucht demzufolge seine Lebensweise nicht umzustellen, ins besondere keine Medikamente einzunehmen und seine alte körperliche Leistungsfähigkeit wird bald nach der Operation wieder erreicht sein. Die Ergebnisse umfangreicher Untersuchungen belegen, dass die Spende keinen nachteiligen Einfluss auf die Lebenserwartung des Spenders hat. Trotzdem forder das TPG, dass sich der Spender zu regelmäßigen Nachuntersuchungen verpflichtet.

Zumeist bessere Funktion und längere Funktionsdauer

Erst das Wissen um die Sicherheit des Spenders erlaubt es, die bedeutenden Vorteile einer Lebendnierenspende für den Empfänger herauszustellen. Nierentransplantate von Lebenden haben meist eine bessere Funktion und eine längere Funktionsdauer als die von Verstorbenen. Natürlich wirkt sich auch die kurze Wartezeit auf die Transplantation positiv auf den Gesundheitszustand des Patienten aus. Die besten Ergebnisse werden mit der so genannten präemptiven Lebendnierentransplantation erreicht, der Transplantation im Stadium des fortgeschrittenen Nierenversagens, noch vor der Einleitung der Nierenersatztherapie.

Der unvermindert bestehende Mangel an Transplantaten von Verstorbenen und der daraus resultierenden langen Wartezeit hat auch in Deutschland die Zahl der Lebendnierenspenden deutlich anwachsen lassen. In den vergangen Jahren wurden zwischen 15 und 20 Prozent der Nierentransplantationen als Lebendnierentransplantationen durchgeführt.

Leider konnte trotz dieser großen Zahl an Lebendnierentransplantationen die Zahl der Transplantationen insgesamt nicht wesentlich gesteigert werden, und die Wartezeiten für die Transplantation mit einem Organ eines Verstorbenen sind unverändert lang. Das bedeutet, dass trotz der erfolgreichen Lebendnierentransplantationsprogramme weiterhin alle Anstrengungen unternommen werden müssen, die Zahl der Organspenden Verstorbender  zu steigern.

Quelle: KfH_aspekte (KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V.)